Europa und Nordamerika lehnen Infantinos Milliarden-Plan ab

Widerstand gegen FIFA-Investorenpläne
Die UEFA hat sich entschieden gegen die Investorenpläne der FIFA positioniert. Der europäische Fußballverband organisierte innerhalb kurzer Zeit einen geschlossenen Widerstand gegen den Plan, der den Verkauf von Anteilen an der WM und weiteren Turnieren an private Investoren vorsieht. Dieser Widerstand wurde als eine sportpolitische Explosion beschrieben, die bereits jetzt einen festen Platz in den Fußball-Geschichtsbüchern haben könnte.
Die UEFA, unter der Führung von Aleksander Ceferin, drohte der FIFA mit einem Boykott aller Wettbewerbe des Weltverbandes, sollte der Plan nicht vollständig verworfen werden. Alle 55 Mitgliedsstaaten der UEFA, darunter der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und Weltmeister Spanien, schlossen sich dieser Drohung an. Die UEFA forderte zudem verbindliche Zusicherungen, dass die FIFA ihre Führung oder Wettbewerbe nie wieder für private Eigentümer öffnen wird.
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Aleksander Ceferin, ein Rechtsanwalt aus Slowenien, wird als treibende Kraft hinter diesem Widerstand gesehen. Er hatte bereits in der Vergangenheit eine entscheidende Rolle bei der Abwehr ähnlicher Pläne gespielt, darunter Infantinos gescheiterte Milliardenpläne im Jahr 2018 und die von Top-Clubs geplante Super League im Jahr 2021.
Nordamerika schließt sich dem Widerstand an
Nach der UEFA hat sich auch der für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige Verband CONCACAF den Europäern angeschlossen. Der Verband, zu dem die WM-Gastgeber USA, Mexiko und Kanada gehören, lehnte Infantinos Pläne ebenfalls ab. Die CONCACAF kritisierte dabei das fehlende ordnungsgemäße Verfahren, die verkürzte Frist und das Fehlen jeglicher Prüfung durch die zuständigen FIFA-Gremien.
Die FIFA hatte den Mitgliedsverbänden zuvor eine Frist bis zum 19. September gesetzt, um den Plänen zuzustimmen. Eine einfache Mehrheit unter den 106 Mitgliedern sollte demnach ausreichen, um das Investorenvorhaben durchzusetzen. Mit den 55 europäischen und 41 nordamerikanisch-karibischen Stimmen gegen ihn könnte es für Infantino schwierig werden, eine Mehrheit zu erreichen.
Die FIFA reagierte auf die Kritik mit einer Mitteilung, in der sie die Bedenken zwar zur Kenntnis nahm und respektierte, ihr Vorhaben jedoch bekräftigte. Der Weltverband betonte, dass die Gründung einer Tochtergesellschaft namens FIFA Forward Enterprise (FFE) ausschließlich vorgeschlagen worden sei, um sicherzustellen, dass alle FIFA-Mitgliedsverbände die Möglichkeit haben, die kommerziellen Chancen des Fußballs in ihren jeweiligen Ländern sinnvoll zu nutzen. Die FIFA erklärte, dass niemand den Fußball verkaufen wolle und dies etwas sei, das der Verband niemals in Betracht ziehen würde.


Hintergrund der Auseinandersetzung
Die Auseinandersetzung zwischen Ceferin und Infantino dauert bereits längere Zeit an. Ein Vorfall beim WM-Finale vor knapp zwei Wochen in East Rutherford bei New York, bei dem Ceferin nicht im Stadion war, obwohl UEFA-Vertreter Spanien gegen Argentinien antrat, wurde als Signal gewertet. Dies folgte auf einen Skandal um den US-Stürmer Folarin Balogun, dessen Rotsperre für das Achtelfinale der WM erlassen wurde, nachdem US-Präsident Donald Trump bei Infantino angerufen hatte. Die UEFA hatte dies bereits als Überschreitung einer roten Linie und als Prüfung der Integrität des Spiels bezeichnet.
Die UEFA hat in ihrer Mitteilung klargestellt, dass keine Nationalmannschaften aus der UEFA an einem FIFA-Wettbewerb teilnehmen werden, solange die umstrittenen Vorschläge bestehen bleiben. Dies gilt, es sei denn, der Vorschlag wird vollständig verworfen und es werden verbindliche Zusicherungen gegeben, dass die FIFA ihre Führung oder Wettbewerbe nie wieder für private Eigentümer öffnet. Das Statement lässt keinen Interpretationsspielraum zu und zeigt die Entschlossenheit der europäischen Verbände.
Im September soll die U20-WM der Frauen in Polen stattfinden, und im Oktober sind Playoff-Spiele für die Frauen-WM 2027 in Brasilien angesetzt. Sollte die FIFA den Plan mit den Investoren nicht vor Ende der Frist am 19. September verwerfen, könnte dies zu erheblichen Turbulenzen im Weltfußball führen.
Die FIFA betonte in ihrer Reaktion, dass sie sich zu einem „offenen und demokratischen Konsultationsprozess“ bekenne und dieser in den vergangenen Tagen von „fehlerhafter Berichterstattung in den Medien“ gestört worden sei. Die Absicht sei es gewesen, alle 211 Mitgliedsverbände in diesen Prozess einzubeziehen.
Die UEFA sieht sich in ihrer Position durch die beispiellose Geschlossenheit ihrer Mitglieder gestärkt. Die Forderung aller 55 europäischen Nationen nach „verbindlichen Zusagen“, dass die FIFA-Führung sich „nie wieder für private Eigentümer“ öffnen dürfe, ist ein deutliches Zeichen. Dies wurde von Ceferin orchestriert, der im kommenden Jahr nicht mehr für eine weitere Amtszeit als UEFA-Präsident kandidieren möchte.
Die Frist für die Zustimmung zu den Plänen läuft am 19. September ab.
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Source: web.de