Fifa-Präsident Infantino könnte Posten verlieren: Kritik nach Investorenplänen

Fifa-Krise: So könnte Fifa-Präsident Infantino seinen Posten verlieren

Kritik an Infantinos Investorenplänen

Gianni Infantino, der Präsident des Weltfußballverbandes Fifa, steht nach der Rücknahme seiner Investorenpläne unter erheblicher Kritik. Die Pläne sahen vor, bis zu 20 Prozent der kommerziellen Rechte der Fifa, beispielsweise an der Weltmeisterschaft, an Investoren zu verkaufen, um bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar zu generieren. Für die Umsetzung sollte das Tochterunternehmen Fifa Forward Enterprise (FFE) gegründet werden, dessen Führung der Technologieinvestor Joshua Kushner übernehmen sollte.

Weltweit stießen diese Pläne auf Empörung bei Mitgliedsverbänden, Fußballfunktionären und Politikern. Kritiker warfen Infantino vor, primär seinen persönlichen Profit und den seiner Geschäftspartner zu verfolgen und die Kommerzialisierung des Fußballs voranzutreiben. Die Verbände Nord- und Mittelamerikas, darunter die drei Gastgeberländer der diesjährigen WM, lehnten die Pläne ab und bemängelten mangelnde Konsultation. Auch die Europäische Fußball-Union (Uefa) drohte mit einem Boykott aller Fifa-Turniere und entzog Infantino offiziell das Vertrauen. Hochrangige Berater Infantinos traten zurück, und am vergangenen Samstag zog Infantino seine Pläne schließlich zurück.

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Fifa-Präsident Gianni Infantino hat sich mit seinen Investorenplänen verkalkuliert
Fifa-Präsident Gianni Infantino hat sich mit seinen Investorenplänen verkalkuliertFoto:Harry Langer / DeFodi Images / picture alliance Credit: spiegel.de

Mögliche Konsequenzen und Herausforderer

Die Kritik an Infantino hat Forderungen nach einem Wechsel an der Spitze der Fifa laut werden lassen. Der Chef der spanischen Fußballliga, Javier Tebas, und der britische Premier Andy Burnham forderten seinen Rücktritt. Medienberichten zufolge forderte auch die Uefa Infantino zum freiwilligen Rücktritt auf und drohte andernfalls mit einem Amtsenthebungsverfahren sowie rechtlichen Schritten. Der walisische Fußballverband FAW und der englische Verband zogen ihre Unterstützung für eine Wiederwahl Infantinos offiziell zurück.

Die nächste Wahl des Fifa-Präsidenten ist für den 18. März 2027 beim Fifa-Kongress in Rabat, Marokko, angesetzt. Bis zum 18. November können Kandidaten ihre Bewerbungen einreichen. Bislang gibt es keinen offiziellen Gegenkandidaten zu Infantino, der erneut antreten möchte. Dennoch werden mehrere Namen als mögliche Herausforderer gehandelt.

Zu den potenziellen Kandidaten gehört Aleksander Čeferin, der Präsident der Uefa, der als Kritiker Infantinos gilt. Obwohl er eine erneute Kandidatur für den europäischen Dachverband im Jahr 2027 ausgeschlossen hat, könnte ein Wechsel zur Fifa für ihn in Frage kommen. Ein weiterer Name ist Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa aus Bahrain, der Infantino bereits 2016 herausforderte. Er ist Präsident des asiatischen Fußballdachverbandes AFC, der Infantinos Investorenpläne ablehnte.

Auch Mattias Grafström, seit 2024 Fifa-Generalsekretär und eigentlich ein Vertrauter Infantinos, soll sich Chancen auf den Posten ausrechnen. Victor Montagliani, Präsident des Kontinentalverbands Concacaf, wird ebenfalls als möglicher Kandidat genannt, obwohl er eigentlich eine Wiederwahl an die Concacaf-Spitze anstrebt. Die norwegische Verbandschefin Lise Klaveness, die die Investorenpläne deutlich kritisierte, wird ebenfalls erwähnt, wobei ihr Interesse an der Fifa-Spitze unklar ist. Nasser Al-Khelaifi, Vorsitzender der European Football Clubs (EFC) und Präsident von Paris Saint-Germain, hat jedoch bereits mitgeteilt, kein Interesse an der Nachfolge Infantinos zu haben.

Möglichkeiten eines vorzeitigen Amtsverlusts

Infantino könnte seinen Posten theoretisch auch vor der Wahl im März 2027 verlieren. Eine Möglichkeit wäre, dass der Fifa-Rat, das wichtigste Entscheidungsgremium zwischen den Kongressen, eine Krisensitzung einberuft. Wenn mindestens 19 der 37 Mitglieder dafür stimmen, müsste innerhalb von zwei Wochen ein Treffen stattfinden, bei dem Infantino zum Rücktritt aufgefordert werden könnte. Eine solche Aufforderung könnte er jedoch ablehnen.

Eine weitere Option wäre eine außerordentliche Sitzung des Fifa-Kongresses, des obersten Organs des Weltverbands. Dafür wäre ein Fünftel der Stimmen der 211 Fifa-Mitgliedsverbände nötig. Die Anfrage müsste schriftlich erfolgen, und das Treffen müsste innerhalb von drei Monaten abgehalten werden. Anschließend könnte ein Misstrauensvotum gegen Infantino gestellt werden, was zu seinem vorzeitigen Amtsverlust führen könnte.

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Source: zeit.de

Emma Berger ist Sportredakteurin und berichtet über Fußball, Sport und aktuelle Ereignisse.