Fifa-Pläne stoßen auf geteilte Meinungen

WM: Die wichtigsten Fragen zum Beben in der Fifa: Explodiert jetzt der Welt-Fußball? - BILD

Fifa-Pläne und Widerstand

Die Pläne der Fifa, einen Teil der kommerziellen Rechte an der Weltmeisterschaft an Investoren zu verkaufen, haben zu erheblichen Diskussionen geführt. Fifa-Präsident Gianni Infantino möchte ein noch zu gründendes Tochterunternehmen namens „FIFA Forward Enterprise“ (FFE) etablieren. Dieses Unternehmen soll alle kommerziellen Rechte und die Turnierorganisation bündeln. Investoren könnten demnach 20 bis 30 Prozent der Anteile erwerben, wobei die Fifa einen Mehrheitsanteil von über 50 Prozent behalten würde. Rund 20 Prozent der Erlöse sollen an die 211 Mitgliedsverbände verteilt werden.

Die Uefa, unter Präsident Aleksander Ceferin, hat sich gegen diese Pläne ausgesprochen. Sie betrachtet die Vorhaben als Überschreitung einer Grenze, die der Fußball nicht überschreiten sollte. Uefa-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke äußerte, dass viele im europäischen Fußball die Pläne als einen „absoluten Angriff auf den Fußball“ ansehen. Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf betonte, dass Fußball nicht zum Spielball von Investoren werden dürfe und befürchtet, dass die Weltmeisterschaft dadurch jährlich stattfinden und sich auf starke Wirtschaftsräume konzentrieren könnte.

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Der britische Premierminister Andy Burnham äußerte sich ebenfalls kritisch und betonte, dass der Fußball den Menschen gehöre, die die Stadien füllen. Die Uefa hielt eine Krisensitzung ab, an der auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf teilnahm. Auch der Verband Concacaf, der Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik vertritt, zeigte sich besorgt über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens.

Infantinos Verteidigung und unterschiedliche Reaktionen

Gianni Infantino verteidigte seine Pläne und bezeichnete sie als Vorschlag und Angebot, der Teil eines demokratischen Konsultationsprozesses sei und eine Chance darstelle, keine Verpflichtung. Er verspricht unter anderem höhere Zahlungen an die Mitgliedsverbände. Als potenzieller Hauptinvestor wird Joshua Kushner, der Bruder von Jared Kushner, genannt, dessen Investmentgesellschaft Thrive Capital internationale Staatsfonds als Kapitalgeber gewinnen möchte.

Die Confédération Africaine de Football (CAF) hingegen zeigte sich offen für Infantinos Investorenpläne. CAF-Präsident Patrice Motsepe berief eine Sitzung des Exekutivkomitees ein, um den Vorschlag zu prüfen und sich am Konsultationsprozess zu beteiligen. Die CAF, mit 54 Mitgliedsverbänden, stellt einen großen Stimmenblock innerhalb der Fifa dar und ist der erste Kontinentalverband, der sich dem Vorhaben offen gegenüber zeigt. Motsepe hatte Infantinos „Schlüsselrolle“ bei der Entwicklung des afrikanischen Fußballs gelobt.

Die Fifa hat den 211 Mitgliedsverbänden eine Frist bis zum 19. September gesetzt, um den Plänen zuzustimmen. Eine einfache Mehrheit der Stimmen der Mitgliedsverbände ist ausreichend für die Umsetzung der Vorhaben. Infantino argumentiert, dass der Einstieg externer Geldgeber eine „einmalige Chance“ sei, die weltweite Entwicklung des Fußballs zu beschleunigen.

Mögliche Konsequenzen und weitere Kritik

Ein Austritt von Mitgliedsverbänden aus der Fifa ist gemäß Paragraf 18 der Fifa-Statuten möglich. Ein solcher Austritt müsste mindestens sechs Monate vor dem 31. Dezember schriftlich beim Fifa-Generalsekretariat erklärt werden. Der nächstmögliche Zeitpunkt wäre der 31. Dezember 2027. Bis zum Stichtag müssten alle finanziellen Verpflichtungen gegenüber dem Weltverband beglichen sein.

Nationalverbände sind durch ihre Fifa-Mitgliedschaft zur Teilnahme an Fifa-Wettbewerben verpflichtet. Ein Rückzug von der Teilnahme bis spätestens 30 Tage vor dem ersten Spiel der Weltmeisterschaft könnte eine Geldstrafe von mindestens 5 Millionen US-Dollar nach sich ziehen. Sportliche Sanktionen bei einem Boykott könnten den Ausschluss von zukünftigen Fifa-Wettbewerben, Punktabzüge oder Sperren für Nationalmannschaften und Klubs umfassen. Zudem könnten die Fifa und kommerzielle Partner Schadensersatzansprüche geltend machen.

Das weltweite Transfersystem (TMS) und die Spielerregistrierungen werden von der Fifa verwaltet. Ausgetretene Nationalverbände wären nicht mehr an das Fifa-Transferreglement gebunden, was zu Chaos auf dem Transfermarkt und zahlreichen Prozessen führen könnte. Die europäischen Topligen mit ihren Stars, der Champions League und der EM sind für TV-Sender und Sponsoren besonders attraktiv. Eine Fifa ohne Europa könnte daher unattraktiv werden, was dazu führen könnte, dass Gelder aus dem Fifa-System abgezogen und in das Uefa-System investiert werden.

Die norwegische Verbandspräsidentin Lise Klaveness äußerte tiefe Besorgnis über die Entwicklungen in der Fifa und kritisierte fehlende Transparenz sowie mangelhafte Prozesse in der Fifa-Führung. Der Präsident des spanischen Verbandes La Liga, Javier Tebas, kritisierte Gianni Infantino direkt und bezeichnete ihn als „das Problem“. Auch die europäische Spielergewerkschaft Fifpro lehnt die Fifa-Pläne ab, insbesondere wegen des fehlenden Mitspracherechts der Profis. Die Fifpro betonte, dass ein Projekt dieser Größenordnung weitgehend hinter verschlossenen Türen entwickelt wurde, ohne die Beteiligung der am stärksten Betroffenen. Die Fifa hat den Mitgliedsverbänden eine Frist bis zum 19. September gesetzt, um den Plänen zuzustimmen.

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Source: bild.de

Emma Berger ist Sportredakteurin und berichtet über Fußball, Sport und aktuelle Ereignisse.