Fifa-Präsident Infantino: Unterstützung und Kritik vor der Wiederwahl

Fifa-Präsident in der Kritik: Wer ist für und wer gegen Gianni Infantino?

Gianni Infantino plant, sich bei der Fifa-Präsidentenwahl am 18. März 2027 erneut zur Wahl zu stellen, obwohl er international in der Kritik steht. Eine Wiederwahl würde seine Amtszeit bis 2031 verlängern. Nach dem Scheitern eines Investorendeals zum Verkauf von WM-Rechten zeichnet sich ein Machtkampf im Weltfußball ab. Verschiedene Verbände äußern sich dazu, wobei einige Infantino unterstützen und andere sich gegen ihn positionieren.

Die Uefa, der europäische Dachverband mit 55 stimmberechtigten Mitgliedsverbänden, hat sich entschieden gegen Infantino gestellt. Unter der Führung von Präsident Aleksander Čeferin hält die Uefa an ihrer Drohung eines WM-Boykotts fest. Der Kontinentalverband forderte Zusicherungen, dass Versuche, den Fußball zu entstellen, nicht wiederholt werden. Die Uefa hat nach eigenen Angaben das Vertrauen in Infantino verloren. Einzelne Verbände wie Serbien und Wales haben ihre Unterstützung zurückgezogen, während der norwegische Fußballverband Infantino zum sofortigen Rücktritt aufforderte.

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Im Gegensatz dazu hat der afrikanische Dachverband Caf mit 54 stimmberechtigten Mitgliedsverbänden seine einstimmige Unterstützung für den Präsidenten bekräftigt. Die Caf dankte Infantino für seine Unterstützung des afrikanischen Fußballs und der Fifa-Verwaltung für die Ausrichtung der WM 2026. Durch die Erweiterung des WM-Feldes auf 48 Nationen hatte Afrika erstmals zehn Teilnehmer bei einer Fußballweltmeisterschaft, verglichen mit fünf im Jahr 2022 in Katar.

Asien und Amerika: Geteilte Meinungen

In Asien, wo 46 stimmberechtigte Mitgliedsverbände beheimatet sind, ist die Stimmung gespalten. Der asiatische Dachverband AFC stellte sich gegen Infantinos Investorenpläne, jedoch nicht grundsätzlich gegen den Präsidenten selbst. Infantino kann auf Unterstützung von etwa zehn asiatischen Verbänden zählen, darunter Katar, die Mongolei und die Philippinen. Verbände wie Jordanien sprachen sich hingegen gegen den Schweizer aus. Saudi-Arabien, das 2034 WM-Gastgeber sein wird, hat sich bisher nicht positioniert. Asien könnte die entscheidenden Stimmen in der Wahl liefern.

Der nord- und mittelamerikanische Dachverband Concacaf, der 35 stimmberechtigte Verbände umfasst, stellte sich ebenfalls gegen die Investorenpläne. Dies bedeutet jedoch nicht, dass alle Verbände grundsätzlich gegen Infantino sind. Es besteht ein gestiegenes Interesse daran, Victor Montagliani aus Kanada zum nächsten Fifa-Chef zu machen. Der mexikanische Verband sicherte Infantino öffentlich seine Unterstützung zu, und weitere kleinere Staaten könnten diesem Beispiel folgen, da sie von Infantinos Expansionskurs profitieren.

Südamerika mit zehn stimmberechtigten Mitgliedsverbänden zeigte sich tendenziell pro Infantino. Die Conmebol stellte sich nicht kategorisch gegen die Pläne, äußerte aber Bedenken über die einseitigen Maßnahmen rund um den geplanten Verkauf von WM-Rechten. Einzelne Nationalverbände wie Argentinien und Paraguay haben sich für Infantino ausgesprochen. Argentiniens Verband lobte in einem Brief an Infantino dessen Managementteam, das einen tiefgreifenden Wandel in der Fifa bewirkt habe. Für die WM 2030 sind Argentinien, Paraguay und Uruguay für jeweils ein Eröffnungsspiel vorgesehen.

Ozeanien und die gescheiterten Investorenpläne

In Ozeanien, mit elf stimmberechtigten Mitgliedsverbänden, ist die Positionierung ebenfalls gespalten. Eine inhaltliche Stellungnahme der Oceania Football Confederation (OFC) zum gescheiterten Investorenplan liegt noch nicht vor. Kleine Nationen wie Neukaledonien und Vanuatu könnten ein Interesse daran haben, Infantino weiterhin zu unterstützen, da sie in den letzten Jahren finanzielle Unterstützung und eine Chance auf ein WM-Ticket durch seine Expansionspolitik erhalten haben.

Die gescheiterten Investorenpläne, die J.P. Morgan als Partner vorsahen, sollten die Fifa in ein globales Wirtschaftsunternehmen umwandeln. Ein Strategiepapier zeigte, wie die Fifa ihr kommerzielles Geschäft in die neue Gesellschaft Fifa Forward Enterprise (FFE) auslagern wollte, um Medienrechte, Sponsoring, Hospitality, Ticketing und digitale Geschäftsmodelle zu bündeln und Kapital von bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar aufzunehmen. Die Fifa sah sich selbst als untermonetarisierte Sport- und Medienmarke mit ungenutztem wirtschaftlichem Potenzial und verglich sich mit erfolgreichen Sportprodukten wie der NFL, NBA, Major League Baseball, der Premier League und der Uefa Champions League.

Die Fifa plante, die weltweite Entwicklungsförderung von rund 1,7 Milliarden US-Dollar im Zyklus 2023 bis 2026 auf bis zu 8,4 Milliarden US-Dollar im Zyklus 2027 bis 2030 zu erhöhen. Langfristig sollten über zehn Milliarden US-Dollar für die Fußballentwicklung bereitgestellt werden. Nach massiver Kritik, insbesondere von der Uefa, entschuldigten sich Gianni Infantino und Generalsekretär Mattias Grafström öffentlich für das Vorgehen und räumten ein, die Verbände nicht ausreichend eingebunden zu haben.

Gianni Infantino applaudiert mit erhobenem Blick.
Gianni Infantino applaudiert mit erhobenem Blick. Credit: tagesschau.de

Source: zeit.de

Jan Fuchs ist Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball, Bundesliga und internationale Wettbewerbe.