Druck auf Infantino: Verbandschef wirft FIFA Erpressung vor

Wie geht es mit Gianni Infantino weiter? Eine Variante ist am wahrscheinlichsten - WEB.DE

Der jordanische Fußball-Verbandschef Prinz Ali bin al-Hussein hat der FIFA Erpressung vorgeworfen. Dies geschieht inmitten anhaltender Spekulationen über die Zukunft von Gianni Infantino an der Spitze des Weltverbandes.

Prinz Ali bin al-Hussein behauptet, dass Prämienzahlungen für den Arab Cup, der im Dezember 2025 ausgetragen wurde, zurückgehalten worden seien. Er schrieb auf der Plattform X, dass ihm mitgeteilt wurde, eine Unterstützung Infantinos würde seinem Fußballverband helfen. Prinz Ali stellte klar, dass sein Verband Infantino bisher nicht unterstützt habe und dies auch weiterhin nicht tun werde, da die Situation auf Erpressung hinauslaufe.

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Infantinos Position und mögliche Herausforderer

Sportpolitik-Experte Jürgen Mittag schätzt die Lage von Gianni Infantino ein. Laut Mittag denkt Infantino langfristig und könnte nach seiner Amtszeit, die bei einer potenziellen Wiederwahl 2027 bis 2031 dauern könnte, eine Führungsrolle als CEO eines kommerziellen FIFA-Geschäftsbetriebs anstreben. Dies würde ihm neue Gestaltungsmöglichkeiten und finanzielle Perspektiven eröffnen.

Die Einnahmen aus der Klub-WM 2025 und der WM 2026, die die FIFA als wirtschaftlich erfolgreich betrachtet, sollen Infantino in seiner Idee bestärkt haben, das Geschäftsmodell des Verbandes weiter auszubauen. Er unterschätzte jedoch den Widerstand der UEFA, die befürchtet, dass eine Ausweitung der FIFA-Wettbewerbe das Machtgefüge im Weltfußball verschieben und ihr eigenes Geschäftsmodell gefährden könnte. Die UEFA fand Verbündete in der CONCACAF und der asiatischen AFC, was dazu führte, dass Infantinos Pläne politisch nicht durchsetzbar waren.

Trotz des Widerstands der europäischen Verbände, die 55 Stimmen einbringen könnten, stehen immer noch über 150 Verbände zur Verfügung, die Infantino unterstützen könnten. Ein ernsthafter Herausforderer für Infantino ist derzeit nicht erkennbar, da potenzielle Kandidaten das Risiko einer Niederlage und einer damit verbundenen dauerhaften Beschädigung ihrer Karriere scheuen.

Zu den möglichen Nachfolgern gehören UEFA-Präsident Aleksander Ceferin, der Erfahrung und ein internationales Netzwerk mitbringt, aber als UEFA-Kandidat traditionell einen schweren Stand hätte. Auch Nasser Al-Khelaifi wird als Option genannt, wobei er derzeit eher an der Spitze des europäischen Klubfußballs gesehen wird. FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström gilt ebenfalls als möglicher Nachfolger, jedoch ist es unwahrscheinlich, dass er gegen seinen eigenen Präsidenten kandidiert.

Salman bin Ibrahim Al Khalifa, der bereits 2016 gegen Infantino antrat und im zweiten Wahlgang unterlag, könnte sich erneut als Herausforderer positionieren. Er müsste jedoch innerhalb Asiens und darüber hinaus Unterstützung mobilisieren. Victor Montagliani, Präsident der CONCACAF, könnte als Konsenskandidat auftreten, wäre aber auf breite Unterstützung aus mindestens zwei weiteren Konföderationen angewiesen, da die CONCACAF potenziell nur über die Stimmen von 41 Mitgliedsverbänden verfügt.

Die Wahrscheinlichkeit eines freiwilligen Rücktritts von Infantino wird als sehr gering eingeschätzt. Er hat die FIFA nach eigener Ansicht durch schwierige Phasen geführt und die Einnahmen deutlich gesteigert, was ihm wenig Anlass gibt, sein Amt aufzugeben.

Infantino unter Druck
Infantino unter Druck Credit: web.de

Vorwürfe und finanzielle Reserven

Prinz Ali bin al-Hussein, der 2016 selbst gegen Infantino um die Präsidentschaft antrat, schilderte, dass der Weltverband dem jordanischen Verband noch Geld schulde. Als Zweitplatziertem des Arab Cups im Dezember 2025 stünde Jordanien noch ein Preisgeld zu, das Medienberichten zufolge 4,2 Millionen Dollar betrug. Prinz Ali kritisierte, dass dieses Geld noch nicht ausgezahlt wurde, obwohl die FIFA angibt, Milliarden in Reserve zu haben.

Die Sportschau hat den Weltverband um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten.

Prinz Ali bin al-Hussein
Prinz Ali bin al-Hussein Credit: sportschau.de

Die Kritik an Infantino nach dem abgesagten Investorendeal hält an, und es gibt Spekulationen über ein mögliches Ende seiner Amtszeit. Ein außerordentlicher FIFA-Kongress könnte einberufen werden, wenn es der UEFA gelingt, einen potenziellen Gegenkandidaten zu finden und breitere Unterstützung zu erhalten, da hierfür 41 der 211 Mitgliedsverbände ausreichen würden.

Source: web.de

Jan Fuchs ist Sportredakteur mit Schwerpunkt Fußball, Bundesliga und internationale Wettbewerbe.