DLV-Athletinnen in Birmingham: Martin und Kolbe zeigen starke Leistungen, Honsel im Hochsprung-Finale

Bei den Europameisterschaften in Birmingham zeigten die deutschen Leichtathletinnen in den Vorrunden am Donnerstag bemerkenswerte Leistungen. Johanna Martin und Smilla Kolbe überzeugten in ihren jeweiligen Disziplinen, während Christina Honsel sich souverän für das Hochsprung-Finale qualifizierte.
Martin bestätigt ihr Niveau über 400 Meter
Johanna Martin (1. LAV Rostock) demonstrierte im Halbfinale über 400 Meter ihr konstant hohes Niveau. Die 20-Jährige, die in dieser Saison Zeiten unter 51,50 Sekunden erreicht und ihren persönlichen Rekord auf 50,57 Sekunden verbessert hatte, lief in einem starken Feld. Zu den Konkurrentinnen zählten Titelverteidigerin Natalia Bukowiecka (Polen) und Hallen-Weltmeisterin Lurdes Gloria Manuel (Tschechien).
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Nach einer soliden ersten Rennhälfte konnte Martin noch einmal beschleunigen und kam als Dritte aus der Zielkurve. Auf den letzten Metern wurde sie von der britischen U20-Europameisterin Charlotte Henrich (50,51 Sekunden) und der Niederländerin Myrte van der Schoot (50,75 Sekunden) überholt. Martin beendete das Rennen auf dem fünften Rang mit einer Zeit von 51,34 Sekunden, ihrer viertbesten Karrierezeit. Die Favoritinnen Bukowiecka (49,67 Sekunden) und Manuel (49,81 Sekunden) blieben unter 50 Sekunden.
Martin äußerte sich zufrieden mit ihrer Leistung und betonte, dass sie sich über den Einzelstart gefreut habe. Sie sei beeindruckt von der Schnelligkeit des Rennens und fühle sich wohl, wenn sie mit bekannten Athletinnen laufe. Trotz einer leichten Beeinträchtigung in der Vorwoche hatte sie nicht viel mehr erwartet und freut sich, sich nun auf Training und Familienzeit konzentrieren zu können, nachdem der Stress des Abiturs weggefallen ist.
Kolbe verpasst 800-Meter-Finale knapp
Smilla Kolbe (Eintracht Frankfurt) ging mit einer persönlichen Bestleistung von 1:57,80 Minuten aus dem Vorlauf ins Halbfinale über 800 Meter. Die 24-Jährige zeigte in einem hochkarätigen Feld, darunter Olympiasiegerin Keely Hodgkinson (Großbritannien) und Femke Broeders-Bol (Niederlande), eine beeindruckende Leistung. Sie hielt mutig Anschluss an die Favoritinnen.
Erst auf der Zielgeraden musste Kolbe ihre Trainingskollegin Valentina Rosamilia (Schweiz) passieren lassen. Ein Foto-Finish mit der Französin Clara Liberman entschied über den Finaleinzug. Liberman erreichte mit einer Bestleistung von 1:58,19 Minuten das letzte Finalticket. Kolbe belegte den undankbaren neunten Platz und verpasste das Finale um lediglich zwei Hundertstelsekunden. An der Spitze sicherten sich Hodgkinson (1:57,38 Minuten) und Broeders-Bol (1:57,46 Minuten) die direkten Qualifikationsplätze.
Ein besonderes Ereignis im Halbfinale war der Sturz von Mitfavoritin Audrey Werro (Schweiz) und der Litauerin Gabija Galvydyte kurz vor der Zielgeraden. Beide beendeten das Rennen, um die Möglichkeit einer Finalteilnahme aufgrund von Fremdeinwirkung offen zu halten. Ihnen wurde ein “qR” zugesprochen, wodurch sie ebenfalls im Finale starten dürfen. Dies führt dazu, dass zehn statt der üblichen acht Athletinnen im Finale antreten werden, und Kolbe die EM als Elfte beendet.
Kolbe zeigte sich stolz auf ihre Leistung bei ihrer ersten EM und bezeichnete es als “crazy”, dass es so knapp nicht gereicht habe. Sie sei stolz, zu den schnellsten Frauen Europas zu gehören und habe ihre besten beiden Rennen ihrer Karriere absolviert. Die Erfahrung sei inspirierend und motivierend für die Zukunft.
Honsel souverän im Hochsprung-Finale
Hochspringerin Christina Honsel (TSV Wattenscheid 01) qualifizierte sich souverän für das Finale. Die 29-Jährige, die aufgrund von Fußproblemen eine schwierige Saison hinter sich hatte und auf die Deutschen Meisterschaften verzichten musste, zeigte sich in guter Form. Sie überquerte alle Höhen bis einschließlich 1,91 Meter im ersten Versuch, was ihr viel Selbstvertrauen für das Finale gab. Im Finale trifft sie unter anderem auf Weltrekordlerin Yaroslava Mahuchikh (Ukraine), Maria Żodzik (Polen) und Angelina Topic (Serbien).
Honsel ging zuversichtlich in den Wettkampf und konnte frühere Schwierigkeiten ausblenden. Sie spürte eine innere Ruhe, die ihr half, die Qualifikation zu meistern. Obwohl noch nicht alles perfekt sei, konnte sie souverän springen und möchte diese Ruhe und Leichtigkeit auch im Finale beibehalten.
Für die Nachwuchsspringerinnen Anna-Elisabeth Ehlers (TSV Bayer 04 Leverkusen) und Dorothea Gantert (SpVg Laatzen) war die Qualifikation eine wertvolle internationale Erfahrung. Ehlers, die auch im Siebenkampf aktiv ist, übersprang zunächst alle Höhen im ersten Versuch, scheiterte aber an 1,88 Meter und belegte mit 1,84 Meter den 22. Rang. Gantert erreichte ebenfalls 1,84 Meter, jedoch mit einem Fehlversuch bei dieser Höhe, und landete auf Platz 25 bei ihren ersten Europameisterschaften der Aktiven.
Ehlers empfand den Wettkampf als sehr spaßig und lobte die tolle Stimmung. Sie war vor dem Wettkampf aufgeregt, aber positiv nervös und mit viel Vorfreude angetreten. Bis 1,88 Meter lief es sehr gut, danach lagen die Schwierigkeiten in Feinheiten, dennoch zeigte sie sich zufrieden. Gantert beschrieb die Erfahrung als sehr aufregend und anders als eine Jugendmeisterschaft. Sie war glücklich, dabei gewesen zu sein, hatte einen guten Start, bekam aber ab 1,84 Meter Nerven. Sie bedauerte, dass 1,88 Meter sicherlich möglich gewesen wären.
Leere Ränge in Birmingham und Münchens WM-Ambitionen
Die Leichtathletik-Europameisterschaften finden zum ersten Mal in Birmingham statt. Obwohl die Wettkämpfe gut organisiert sind und das Stadion ansprechend ist, sind die Tribünen überwiegend leer, obwohl die Kapazität 23.000 Zuschauer beträgt. Diese geringe Zuschauerresonanz ist zwar bedauerlich für die Athleten, könnte aber positive Auswirkungen für München haben.
München bewirbt sich beim Welt-Leichtathletikverband (IAAF) um die Austragung der Weltmeisterschaft 2029 oder 2031. Weitere Bewerber sind Rom, Nairobi und London. Die schlechte Akzeptanz der EM in Birmingham soll in London bereits für Nervosität sorgen. München kann in seiner Bewerbung mit anderen Referenzen punkten. Bei der Leichtathletik-EM im Rahmen der European Championships 2022 war das Olympiastadion mit 63.000 Zuschauern bei den Abendveranstaltungen voll besetzt. Auch die Vormittagswettbewerbe waren gut besucht. Insgesamt kamen in der EM-Woche 267.000 Zuschauer zur Leichtathletik. Das gesamte Event mit neun Sportarten zog über 1,4 Millionen Besucher an.
Eine Entscheidung über die Vergabe der Weltmeisterschaften 2029 und 2031 soll im September fallen. Die Bewerbungen mussten bis zum 5. August bei der IAAF eingereicht werden. Münchens Bürgermeisterin Verena Dietl betonte, dass eine begeisternde WM im Olympiapark ein Gewinn für den Sport, die Stadtgesellschaft und die internationale Strahlkraft Münchens wäre. Zudem würde es das Ziel unterstützen, die Olympischen und Paralympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 wieder nach München zu holen. Für die Olympia-Bewerbung steht jedoch noch ein nationaler Vorentscheid an, da sich auch Berlin und Köln-Rhein-Ruhr bewerben wollen.


Die deutschen Athletinnen haben in Birmingham gezeigt, dass sie auf internationaler Ebene konkurrenzfähig sind, und blicken optimistisch auf die kommenden Herausforderungen, während die Diskussion um die Austragungsorte zukünftiger Großereignisse weitergeht.
Source: leichtathletik.de