Demi Vollering sichert sich Gesamtsieg bei der Tour de France Femmes

Vollering triumphiert in Nizza
Demi Vollering hat zum zweiten Mal in ihrer Karriere die Tour de France Femmes gewonnen. Die Niederländerin vom Team FDJ United-Suez verteidigte auf der abschließenden Etappe in Nizza ihr Gelbes Trikot und feierte ihren dritten Etappensieg bei dieser Austragung. Sie setzte sich in einem Duell gegen Kasia Niewiadoma durch.
Die letzte Etappe, die über 99,2 Kilometer führte und viermal den Col d’Èze beinhaltete, wurde erneut zu einem Zweikampf der beiden führenden Fahrerinnen. Rund 15 Kilometer vor dem Ziel startete Vollering ihre entscheidende Attacke, der Niewiadoma nicht mehr folgen konnte. Im Gesamtklassement lag Vollering am Ende 1:18 Minuten vor Niewiadoma.
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Für Vollering ist dies bereits der fünfte Grand-Tour-Titel. Sie hatte die Führung im Gesamtklassement erst auf der vorletzten Etappe am Samstag von Niewiadoma übernommen und war mit einem Vorsprung von acht Sekunden in das Finale gegangen. Die Spanierin Paula Blasi erreichte auf dem neunten Teilstück den zweiten Platz, 1:04 Minuten hinter Vollering. Niewiadoma wurde Dritte, während Antonia Niedermaier zeitgleich Fünfte wurde.
Niedermaier gewinnt Weißes Trikot
Die deutsche Fahrerin Antonia Niedermaier, die für den deutschen Rennstall Canyon/SRAM fährt, gewann das Weiße Trikot als beste Nachwuchsfahrerin. Die 23-Jährige aus Rosenheim ist die erste deutsche Fahrerin seit dem Neustart der Rundfahrt, die diese Auszeichnung erhält. Im Gesamtklassement erreichte Niedermaier einen starken vierten Platz und verpasste das Podium nur knapp.
Niedermaier spielte auch eine wichtige Rolle im Team von Niewiadoma. Auf dem letzten Anstieg der finalen Etappe sorgte sie für die Tempoarbeit, was den Angriff ihrer Teamkollegin ermöglichte. Nur Vollering konnte diesem Angriff folgen, was zu einem weiteren direkten Aufeinandertreffen der Rivalinnen führte.
Die Tour de France Femmes 2026, die am Freitag erstmals auch über den Mont Ventoux führte, wurde von den Veranstaltern als Erfolg gewertet. Die fünfte Auflage der Rundfahrt bot spannende Rennen und hielt die Spannung bis zum Finale aufrecht. Die zahlreichen Fans entlang der Strecke sorgten für eine gute Atmosphäre. Diese Austragung war die längste und anspruchsvollste seit der Neuauflage im Jahr 2022.
Spannung und Kontroversen prägten das Rennen
Die Beziehung zwischen Vollering und Niewiadoma war während der Tour von Spannung geprägt. Niewiadoma hatte Vollering bei der Tour 2024 den Gesamtsieg mit einem Vorsprung von nur vier Sekunden abgenommen. Vollering revanchierte sich nun für diese knappe Niederlage.
Nach der 8. Etappe am Samstag äußerte Niewiadoma Vorwürfe gegen das Team von Vollering. Sie gab an, von der Französin Celia Gery an einer Schlüsselstelle im Anstieg absichtlich an die Absperrungen abgedrängt worden zu sein. Niewiadoma konfrontierte Gery im Live-TV und kritisierte das Verhalten als „kindisch“ und unsportlich, was ihren Respekt vor dem Team schwinden ließ.
Die Bilder der Situation schienen Niewiadomas Darstellung zu bestätigen. Gery, die nach der Vorbereitung von Vollerings Attacke nicht zurückfiel, blockierte die Außenbahn in einer Kurve, als Niewiadoma versuchte, vorbeizuziehen. Dies zwang Niewiadoma zum Bremsen und könnte Vollering den entscheidenden Vorsprung für den Etappensieg verschafft haben.
Die Kontroverse motivierte Vollering zusätzlich. Sie wollte zeigen, dass ihr Sieg nicht auf diesem Vorfall beruhte. Auf dem letzten Anstieg der Tour attackierte sie erneut und löste sich von Niewiadoma. Auf der Abfahrt und den letzten Kilometern bis ins Ziel baute sie ihren Vorsprung weiter aus, was ihren Gesamtsieg mit 1:18 Minuten Vorsprung deutlich machte.
Neben Vollering und Niedermaier gab es weitere bemerkenswerte Leistungen. Marlen Reusser, die drei Tage im Gelben Trikot fuhr, verlor ihren Podiumsplatz. Sie wurde am zweiten Anstieg abgehängt und stürzte kurz darauf. Zusammen mit ihren Teamkolleginnen, darunter die frühere deutsche Meisterin Liane Lippert, erreichte Reusser das Ziel mit großem Rückstand. Elisa Longo Borghini profitierte davon und rückte auf. Niedermaier fehlten 49 Sekunden auf die Italienerin.
Die 31-jährige Niewiadoma hatte Vollering bei der Tour 2024 den Gesamtsieg weggeschnappt. Vollering sprach nach dem Rennen über den Druck, den sie empfindet, und wie sie diesen in Motivation umwandelt. Sie widmete einen früheren Etappensieg bei der Vuelta Menschen, die mit mentalen Problemen kämpfen. Vollering, die erst spät zum Radsport kam, betonte, dass Druck ein Privileg sei und man ihn gut gebrauchen könne. Sie hat nach eigenen Angaben noch viele Träume, sowohl auf dem Rad als auch abseits davon.
Die Paradestaffel der französischen Luftwaffe überflog Nizza und blies die Farben der Trikolore in den Himmel, was einen stimmungsvollen Auftakt der letzten Etappe der Tour de France Femmes markierte.


Source: sueddeutsche.de